Presseinformation: Elefanten
Ultimatum für Zoo Dresden ist abgelaufen!
Elefantenhaltung erfüllt Auflagen nicht - Pro Wildlife fordert Unterbringung in geeigneter Anlage
München, den 2. April 1999 - Im Zoo Dresden ist gestern das Ultimatum für die Errichtung einer adäquaten Außenanlage für Elefanten abgelaufen. Mitarbeiter von Pro Wildlife stellten bei einer Ortsbesichtigung fest, dass der Zoo damit auch weiterhin nicht die Auflagen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erfüllt. Seit fast drei Monaten fehlt den beiden in Afrika eingefangenen Elefantenkindern Lulu und Mogli - ebenso wie drei weiteren Dickhäutern im Zoo Dresden - das vorgeschriebene Außengehege. Dies wäre bereits für die Importgenehmigung der Jungtiere Voraussetzung gewesen. Doch selbst eine im Nachhinein erteilte Gnadenfrist bis zum 1. April wurde nicht eingehalten. Pro Wildlife fordert deshalb das BfN auf, die längst überfälligen Konsequenzen zu ziehen: Die Tiere müssen beschlagnahmt und in einer geeigneteren Einrichtung untergebracht werden.
Die Einfuhr von sieben afrikanischen Jungelefanten nach Dresden, Erfurt und Basel hatte in den vergangenen Monaten für weltweites Aufsehen gesorgt. Die drei europäischen Zoos nutzten eine Lockerung internationaler Artenschutzbestimmungen, um an die lebenden Kassenmagneten zu kommen. Insgesamt wurden 30 Elefantenkinder von einem Tierhändler aus ihren Herden herausgefangen. Zum Skandal geriet der Fall vor allem, als die brutale Behandlung der Jungelefanten beim Tierhändler in Südafrika bekannt wurde.
Verstößen gegen geltende Bestimmungen des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens zum Trotz beharrten die Zoos auf den Import der Tiere. Der Versuch des Bundesumweltministers, das rechtswidrige Vorhaben zu stoppen, wurde durch einen gerichtlichen Eilbeschluss vereitelt. Zu allem Überfluss stellte das BfN erst im Nachhinein fest, dass Dresden mit dem Fehlen eines adäquaten Außengeheges die geforderten Bedingungen für die Einfuhr nicht erfüllt. Ein Manko, dessen sich der Zoo die ganze Zeit bewusst gewesen sein muss. Nach Einschätzung von Fachleuten war die Einfuhr illegal und müsste als Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz entsprechend geahndet werden. Stattdessen wurde der Zoo Dresden vom BfN lediglich aufgefordert, spätestens bis zum 31. März eine provisorische Außenanlage mit mindestens 800 Quadratmetern bereitzustellen.
"Ein solch fahrlässiger Umgang mit Artenschutzbestimmungen darf sich nicht wiederholen", fordert Daniela Freyer von Pro Wildlife das BfN zum konsequenten Durchgreifen auf.
Aufgrund der äußerst problematischen Haltung von Elefanten in Zoos ist der "Verbrauch" an Tieren entsprechend hoch: Da die Geburtenrate sehr gering ist, sind Zoos und Zirkusse auf Nachschub aus der Wildnis angewiesen. Nach den Pro Wildlife vorliegenden Informationen wurden seit 1981 alleine 175 afrikanische Elefanten (meist Jungtiere) nach Deutschland importiert.



