Presseinformation: Wale und Delfine

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Dickes Ende für Schlankdelfine

Von wegen „Delfinfreundlich“: Konsum von Thunfisch schafft noch heute Artenschutzprobleme

München, den 2. März 2007: Pro Wildlife hat den Schlankdelfin (Stenella attenuata) zum Delfin des Monats März gekürt. „Die Bestände haben sich bis heute nicht von den millionenfachen Verlusten durch den kommerziellen Thunfischfang erholt“ begründet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife die Wahl. Zwar sterben seit den 1980er Jahren weitaus weniger Delfine in den Netzen der Thunfischer, doch die heutige Praxis hat noch immer massive Auswirkungen auf Schlankdelfine und viele andere Arten. Existierende Ökolabel für Thunfisch sind daher kritisch zu bewerten: „Wir empfehlen aus Tier- und Artenschutzgründen, auf Thunfisch ganz zu verzichten“, so die Pro Wildlife-Expertin.

Schlankdelfine* schwimmen oft gemeinsam mit Thunfischen, so dass sie von den Fischern oft gezielt eingekreist werden, um den wertvollen Thun zu fangen. Sie mussten in den vergangenen Jahrzehnten beträchtlichen Blutzoll zahlen, die Bestände haben sich bis heute nicht erholt: Fünf Millionen Tiere starben in den Treib- und Ringwadennetzen der kommerziellen Thunfischerei von 1959 bis in die 1980er Jahre. Seitdem gibt es zwar strengere Fischereiauflagen und die offiziellen Verlustraten durch Beifang gingen massiv zurück, auf wenige tausend Tiere pro Jahr. Dennoch erholen sich manche Bestände des Schlankdelfins nicht, und noch immer ist der Thunfischfang hierfür verantwortlich:

Bis heute ist den Fischern vieler Länder das gezielte Einkreisen von Delfinen erlaubt, sie müssen sie lediglich aus den Netzen wieder freilassen. Viele Delfine erleiden diese Tortur gleich mehrfach. „Freigelassene Delfine sterben oft an den Verletzungen durch die Netzmaschen und den Stress – unbemerkt von den öffentlichen Statistiken. Zudem werden Kälber von ihren Müttern getrennt, das Sozialgefüge der Delfine wird gestört“, betont Altherr. „All dies reduziert die Vermehrungsrate erheblich – in manchen Regionen stagnieren die Bestände der Schlankdelfine nicht nur, sie sind sogar weiter rückläufig.“

Diverse Label sollen dem Käufer einen Delfin-schonenden Thunfischfang suggerieren. Pro Wildlife rät stattdessen gänzlich zum Verzicht auf Thunfisch – aus Rücksicht auf Delfine und andere bedrohte Tiere:

  • "Delfinfreundlich" gefangener Thunfisch ist kein geschützter Begriff und gibt per se noch keine Auskunft darüber, ob wirklich der Beifang von Delfinen verhindert wurde.
  • "Dolphin-free" ist ein Label aus den USA, bei dem Fischern das gezielte Einkreisen von Delfinen mit Ringwadennetzen erlaubt ist, wenn sie danach freigelassen werden – mit all den damit verbundenen Belastungen für die Tiere (s.o.).
  • "Dolphin Safe" (Label des Earth Island Institute) gibt unter den gängigen Labeln die strengsten Vorgaben, um Delfine zu schonen: Treib- und Ringwadennetze sind verboten, stattdessen werden Langleinen und Mastleinen benutzt. Dies ist zwar Delfin-schonender, aber der Beifang anderer bedrohter Arten (z.B. Albatrosse, Haie, Rochen und Meeresschildkröten) ist beträchtlich.
  • Die Thunfischbestände sind ernsthaft überfischt, einzelne Bestände (Blauer Thun im Mittelmeer) oder gar ganze Arten (Südlicher Roter Thun) stehen vor der Ausrottung.

* Die 2 Meter langen und 100 kg schweren Schlankdelfine sind von der IUCN als noch nicht akut gefährdet eingestuft (LR = low risk, conservation dependent). Die Tiere zeigen vom Rücken zum Bauch drei heller werdende Grauschattierungen auf, mit dunklen Flecken in hellen Bereichen und hellen Flecken in dunklen Bereichen. Die lange schmale Schnauze ist von dunklen Streifen flankiert. Schlankdelfine leben in tropischen bis subtropischen Bereichen der Ozeane.