Exotenhandel
Aussterben für den Luxus
Washingtoner Artenschutzübereinkommen diskutiert Handelsbeschränkungen für Wildtiere und –Pflanzen
München/Den Haag, den 1. Juni 2007: Am Sonntag beginnt im niederländischen Den Haag die wichtigste internationale Artenschutzkonferenz (Washingtoner Artenschutz-übereinkommen, WA, engl. CITES, 3. bis 15. Juni 2007). Im Mittelpunkt stehen Tier- und Pflanzenarten, die durch den Handel als Luxusgüter bedroht sind. Sie sterben für Jagd-trophäen, Delikatessen, Schmuck- und Modeartikel wie Elfenbeinschnitzereien, Korallen-ketten oder Krokotaschen oder enden als Pelzmäntel oder Musikinstrumente aus Tropenholz. „20.000 Euro für einen Luchsmantel, bis zu 22.000 Euro für eine Elfenbeinfigur und 11.000 Euro für eine Designer-Tasche aus Kaimanleder – Über 350 Millionen Wildtiere und -Pflanzen gehen jedes Jahr für viele Milliarden Euro über den Ladentisch“ erläutert Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer. Pro Wildlife setzt sich in Den Haag für einen besseren Schutz der vom Handel ausgebeuteten Arten ein.
Auf der Artenschutzkonferenz stimmen 171 Mitgliedsstaaten anhand von 37 Anträgen über den Schutzstatus bedrohter Arten ab: Für Nashörner und Leoparden werden Tro-phäenjagdquoten verhandelt, für etliche Arten geht es um ein absolutes Handelsverbot, für andere um eine Kontrolle des internationalen Handels. Doch den Schutzbemühungen stehen handfeste wirtschaftliche Interessen entgegen:
- „Eine 20 cm große Elfenbeinfigur bringt in Japan bis zu 22.000 € ein“, berichtet die Pro Wildlife-Sprecherin. Derzeit werden bis zu 23.000 Elefanten pro Jahr wegen ihrer Stoßzähne gewildert. Dennoch steht eine erneute Lockerung des bestehenden Elfenbeinhandelsverbots zur Diskussion. Mehrere afrikanische Staaten fordern dagegen ein 20jähriges Handelsverbot, um die Wilderei in den Griff zu bekommen.
- Bis zu 20.000 € kostet ein Luchsmantel. Obwohl die USA alleine letztes Jahr Felle von über 50.000 Rotluchsen exportierten, wollen sie bestehende Handelskontrollen eliminieren. Dies könnte auch den Schwarzmarkt und die Wilderei der stark bedrohten europäischen Luchse anheizen, deren Fell nicht vom Rotluchs unterscheidbar ist.
- Für eine Designer-Tasche aus Kaimanleder bezahlen Gutbetuchte 11.000 €. Brasilien will nun das bestehende Handelsverbot für Mohrenkaimane lockern, obwohl die Wilderei sogar in Schutzgebieten außer Kontrolle ist.
- „Bis zu 18.000 € kostet eine Kette aus der Roten Edelkoralle. Angesichts solcher Preise werden die Korallenstöcke rücksichtslos geplündert“, betont Freyer. Nun könnte der internationale Handel erstmals beschränkt werden.
- Ob Bögen für Streichinstrumente aus Brasilholz (3.700 €/Stück) oder Xylophone aus Honduras-Palisander (3.500 €/Stück) – Tropenhölzer werden außer als Bausubstanz auch für die Herstellung teurer Musikinstrumente verwendet. Nun stehen für 11 tropische Baumarten erstmals weltweite Handelsbeschränkungen zur Diskussion.
Andere Arten, über deren Schutz verhandelt wird, sind als Delikatesse beliebt und überfischt (Dornhai, Heringshai, Aal und Stör (Kaviar)) oder werden zu Tausenden für neue Heimtier-Trends eingefangen (z.B. Plumplori, Banggai-Kardinalbarsch). Für viele Arten sind Handelsverbote oder strikte Beschränkungen die letzte Chance. „Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen hat enorme Tragweite und Effektivität – wenn es konsequent umgesetzt wird: Es ist nahezu weltweit gültig und kann Verstöße durch Handelssanktionen ahnden“ betont Freyer. Pro Wildlife fordert die Regierungsvertreter auf, umfassende Schutzmaßnahmen für Elefanten, Korallen, Tropenhölzer & Co. zu verabschieden.



