Die IWC 2011 - eine Wende im Walschutz?
Walfangtagung 2011 – Was sind die Themen?
Vom 11. bis 14. Juli tagt auf der englischen Kanalinsel Jersey zum 63. Mal die Internationale Walfangkommission (IWC). Altbekannte Themen bestimmen die Agenda – und doch erwartet Pro Wildlife, dass die Tagung in diesem Jahr positive Ergebnisse für den Schutz von Walen hervorbringt Erstmals gibt es auch Bestrebungen, gegen die Scheckbuchdiplomatie der Japaner vorzugehen.
Die Biologin Dr. Sandra Altherr nimmt für Pro Wildlife als Beobachterin teil. Hier berichtet sie live von der Konferenz:
>> IWC-Tagebuch: Aktuelles von der Walfangtagung
>> Abschluss-Pressemitteilung mit Resümee
Unsere Schwerpunktthemen für die IWC-Tagung 2011:
Korruption und fehlende Transparenz: Seit langem beobachten Pro Wildlife und andere Verbände, dass Japan Stimmen kauft - vor allem von Staaten der Karibik, Zentralafrikas und kleiner Inseln im Pazifik. Großbritannien fordert nun eine umfassende Reform der IWC, die für mehr Transparenz und weniger Korruption sorgen soll. Im Vorfeld der IWC-Tagung 2010 enthüllte die Sunday Times die Bestechungspraxis und wies nach, dass alle Spesen des IWC-Vorsitzenden aus Antigua & Barbuda mit einer japanischen Kreditkarte gezahlt wurden. Pro Wildlife unterstützt den Vorstoß Großbritanniens.
Stimmenverhältnisse: Nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 ist unklar, ob Japan auch weiterhin die hohen IWC-Gebühren und Spesen zahlreicher Delegationen von Ländern zahlen wird, um deren Unterstützung für den Walfang sicherzustellen. Länder, die ihre vier- bis fünfstelligen IWC-Gebühren nicht rechtzeitig begleichen, verlieren ihr Stimmrecht für die IWC-Tagung. Damit könnten sich die Stimmverhältnisse ändern und der seit Jahren anhaltende Patt zwischen Walfangbefürwortern und -Gegnern zugunsten des Walschutzes verschieben.
Südatlantisches Schutzgebiet: Brasilien und Argentinien beantragen ein Schutzgebiet für Wale – dies wäre das dritte Schutzgebiet neben der Antarktis und dem Indischen Ozean. Einen solchen Antrag stellte Brasilien seit 1999 alljährlich – und scheiterte jedes Mal an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit. In diesem Jahr könnten die Stimmenverhältnisse anders liegen. Pro Wildlife unterstützt den Antrag und will gleichzeitig aber verhindern, dass Japan als „Gegenleistung“ Fangquoten vor seiner Küste durchsetzt.
Zukunft der IWC: USA und Neuseeland wollen die Diskussionen um einen umstrittenen „Kompromiss“-Vorschlag aus dem vergangenen Jahr wieder aufnehmen, der ein Ende des Walfangmoratoriums bedeuten würde. Im letzten Jahr scheiterte der Kompromiss. Auch 2011 wird Pro Wildlife sich aktiv gegen jegliche Aufweichung des Moratoriums einsetzen. >> Mehr Infos zum "Kompromiss" von 2010
Grausamkeit des Walfangs: In Grönland und Russland ringen angeschossene Wale bis zu zwei Stunden mit dem Tod. Island verweigert seit der Wiederaufnahme des Walfangs 2003 jegliche Auskünfte über die Leidenszeit der getöteten Wale, obwohl die IWC diese Angaben ausdrücklich verlangt. Auch Norwegen steht in der Kritik: Bis 2011 überwachten Inspektoren den Ablauf der Jagd, bis sie von einem Computer ersetzt wurden, der die Zeit zwischen Harpunenschuss und Bergen des toten Tieres messen sollte – doch auch dies soll nun entfallen. Pro Wildlife macht im Rahmen der IWC auf die Grausamkeit des Walfangs aufmerksam.
Islands Walfang: 2003 nahm Island nach 14 Jahren Pause den Walfang wieder auf – doch die Zeichen stehen gut, dass die Jagd um die nordeuropäische Insel nun bald ein Ende hat: Weder im eigenen Land noch im erhofften Absatzmarkt Japan besteht Interesse an dem Walfleisch. Mitte Juni 2011 nahm Island die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf – und innerhalb der EU ist Walfang strikt verboten. >> Mehr Infos zu Islands Walfang
Japans Walfang: In der letzten Walfangsaison in der Antarktis wurde Japans Flotte durch die Organisation Sea Shepherd so stark behindert, dass statt der geplanten 1.035 nur 172 Wale getötet wurden. Der Tsunami im März zerstörte den Ort Ayukawa, eines der vier Walfangzentren Japans, und zerschmetterte Walfangboote. Die Folgen der Katastrophe belasten den japanischen Staatshaushalt schwer. Es wird sich zeigen, ob die japanische Regierung auch weiterhin den höchst defizitären Walfang subventioniert, zumal dringend ein neues, millionenteures Fabrikschiff für die Jagd in der Antarktis benötigt würde... >> Mehr Infos zu Japans Walfang


