Die IWC – Dauerstreit um das Walfangverbot

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Buckelwal©NOAAFür ein kommerzielles Walfangverbot

Die massive Waljagd im 19. und 20. Jahrhundert ließ die  Bestände vieler Walarten dramatisch sinken. Seit 1931 versuchte man, die vollständige Ausrottung der begehrten Meeresriesen zu verhindern. Die zahlreichen Absprachen erwiesen sich jedoch in der Praxis als unzureichend. Im Jahre 1946 wurde endlich die "Konvention zur Regelung des Walfangs" ins Leben gerufen, die zur Umsetzung ihrer Ziele die Internationale Walfangkommission (IWC) gründete. Erst 1982 erreichte die IWC einen Durchbruch zum Walschutz – ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 endlich in Kraft trat.

Die meisten Länder halten sich heute an das Walfangverbot. Norwegen und Russland dagegen legten fristgerecht Einspruch ein und sind daher rein juristisch nicht an das Moratorium gebunden. Japan nutzt den Deckmantel der "Wissenschaft", für die das Töten der Meeresriesen auch weiterhin erlaubt ist. Island trat 1989 aus der IWC aus – und wurde nach einem Täuschungsmanöver im Oktober 2002 wieder aufgenommen. Von 2003 bis 2007 tötete auch Island wieder 200 Zwergwale unter dem Deckmantel "wissenschaftlicher Forschung". Seit 2006 bejagt es sogar unverfroren für kommerzielle Zwecke Zwerg- und Finnwale - und beruft sich dabei auf seinen formaljuristischen Einspruch.

Doch trotz dieser Lücken führte das Moratorium zu einem deutlichen Rückgang der Fangquoten. Starben in den 1980er Jahren noch mehr als 12.000 harpunierte Wale jährlich "aus kommerziellen Gründen", waren es 1996 weniger als tausend Tiere. Seither steigen die Zahlen jedoch wieder: Derzeit sind es knapp 1.500 Wale pro Jahr: Japan ca. 770 Tiere, Norwegen ca. 470 Tiere und Island über 200 Tiere (Stand 2010).

Um diese Eskalation einzudämmen, arbeitete eine IWC-Arbeitsgruppe seit 2008 hinter verschlossenen Türen an einem "Kompromiss", der auf der IWC-Tagung im Juni 2010 jedoch abgelehnt wurde. Für die IWC-Tagung 2011 gibt es jedoch Bestrebungen, den unsäglichen Kompromiss wieder aus der Tasche zu ziehen...

>> Infos zur Walfangtagung 2011
 

Buckelwalfluke©NOAAAntarktis-Schutzgebiet: Teuer bezahlt?

Ein weiterer Erfolg für den Schutz von Walen ist das Schutzgebiet um die Antarktis – eine riesige Fläche mit wichtigen Nahrungsgründen der Meeressäuger. Mit einer einzigen Gegenstimme von Japan wurde das Schutzgebiet 1994 beschlossen. Doch um das Walschutzgebiet durchsetzen zu können, mussten die Walschutz-orientierten IWC-Vertragsstaaten eine diplomatische Gegenleistung erbringen, die vielen Artenschutzorganisationen schwer im Magen liegt: Auf der gleichen Konferenz wurde beschlossen, einen Management-Plan (Revised Management Plan, RMP) auszuarbeiten, der zukünftig Fangquoten, basierend auf zuverlässigen Bestandsschätzungen, ermöglichen soll. Ein so genanntes "Revised Management Scheme" (RMS) soll darüber hinaus die Rahmenbedingungen festlegen – und vor allem sicher stellen, dass die Einhaltung der Quoten überwacht wid. Dieser gefährliche Ansatz zur Aufweichung des Walschutzes wurde auf den Konferenzen der letzten Jahre Stück für Stück weiterentwickelt. Der RMP soll noch auf der Jahrestagung 2011 verabschiedet werden, der RMS-Prozess jedoch stockt erfreulicherweise.

Harpune©O.Lindquist

Hinter den Kulissen der IWC

Die IWC Vertragsstaaten treffen sich einmal jährlich, wobei Walfang- und Walschutzinteressen in den Verhandlungen aufeinanderprallen. Die IWC kann einerseits Resolutionen verabschieden, andererseits Änderungen ihrer Statuten ("Schedule Amendments", z.B. Fangquoten, Einrichtung neuer Schutzgebiete etc.) beschließen. Resolutionen, für deren Verabschiedung eine einfache Mehrheit ausreicht, haben lediglich Empfehlungscharakter – drücken aber dennoch den Willen der Mehrheit der IWC-Staaten aus.  Um die Statuten zu ändern, bedarf es  mindestens einer Dreiviertelmehrheit. Beim derzeitigen Patt zwischen Ländern mit Walfang- und Walschutzinteressen ist eine Änderung der Statuten kaum möglich. Abstimmungsberechtigt sind nur Länder, die ihre Mitgliedschaftsbeiträge gezahlt haben und anwesend sind. Infolge des Tsunamis und der Atomkatastrophe von Fukushima ist 2011 fraglich, ob Japan erneut die Teilnahme dutzender karibischer und afrikanischer Staaten finanzieren und zur Abstimmung pro Walfang bringen kann...

Die Mitgliedsstaaten der IWC

(Stand: Juni 2011: 89 Staaten)

Walschutz-orientierte Länder: Argentinien, Australien, Belgien, Belize, Brasilien, Bulgarien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Indien, Irland, Israel, Italien, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Mexiko, Monaco, Neuseeland, Niederlande, Nikaragua, Österreich, Palau, Panama, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, USA, Uruguay, Zypern.

Walfang-unterstützende Länder: Antigua & Barbuda, Benin, China, Dänemark (*), Dominica (**), Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Grenada, Guinea, Guinea-Bissau, Island, Japan, Kambodscha, Kamerun, Kiribati, Laos, Mali, Marokko, Marshall-Inseln, Mauretanien, Mongolei, Nauru, Norwegen, Oman, Republik Kongo, Russland, Salomonen, Senegal, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent & die Grenadinen, Südkorea, Surinam, Tansania, Togo, Tuvalu.

 (*): Obwohl Dänemark als EU-Mitgliedsstaat an einen EU-Beschluss pro Walfang-Moratorium gebunden ist, unterstützt die Regierung in den meisten Abstimmungen die Walfangseite, um die Interessen der (semi-)autonomen Regionen Grönland und Färöer-Inseln zu wahren.

(**): In Dominica findet derzeit eine Neuausrichtung statt: 2010 verkündigte Dominica, nicht mehr länger kommerziellen Walfang unterstützen zu wollen.